Monatsarchiv August 2008

Es folgen alle Einträge, die im August 2008 veröffentlicht wurden.


Können Maschinen denken?

22. August 2008

Die meisten von euch dürften beim Lesen dieser Frage als erstes Bilder aus der Science-Fiction, von sprechenden Computern und menschenähnlichen Robotern im Kopf haben. Zu den bekanntesten Geschichten, die diese Frage im Kern haben, gehören die Roboter-Erzählungen von Isaac Asimov, aus denen auch seine bekannten Drei Gesetzte der Robotik stammen und auf deren Grundlage beispielsweise der Film I, Robot basiert.

Der Androide Data

Ein anderes Beispiel ist der Androide Data aus Star Trek: The Next Generation und die vielen Episoden, die sich mit der Frage nach seiner Menschlichkeit beschäftigten. Für die Zuschauer dürfte in Datas Fall die Antwort meist eindeutig gewesen sein – sein Charakter war einer der beliebtesten der Franchise und auch mein Favorit. Er galt schon von Anfang an kaum als Maschine, sondern mehr als Mensch in Ausbildung.

„Können Maschinen denken?“ Diese Fiktionen behandeln diese Frage auf metaphysischer Ebene. Zu einer konkreten Antwort gelangt man so kaum. Man kann ja schon die Vorbedingungen nicht klären: „Was ist Denken?“ und „Denken wir Menschen oder ist das nur eine Illusion?“ Man kann sicher ewig darüber diskutieren, ohne zu einer handfesten Erkenntnis zu kommen.

Für die Soziologie ist die Frage trotzdem von Relevanz. Schon früh wurde erkannt, dass Technik das Soziale substituieren kann, also in die Rolle anderer Menschen und Normen schlüpfen kann und damit Teil des sozial Relevanten ist. Beispiel: Welchen Unterschied gibt es zwischen einer Ampel und einem Verkehrspolizisten? Beide interagieren mit anderen Menschen und erreichen das gleiche Resultat. Beide repräsentieren die gleichen Normen. 

Die Frage ist nur: Handelt die Ampel? Beim Polizisten würde man sicher „Ja“ sagen, obwohl er nicht viel anderes macht, als die Ampel. Auch er folgt Regeln. Man könnte ihm im Gegensatz zur Ampel die Freiheit des freien Willens zusprechen, aber das ist bei näherer Betrachtung auch nur eine Illusion. Er muss seine Regeln befolgen. Tut er das nicht, wäre das auch nichts anderes, als eine Fehlfunktion der Ampel – welche man nicht als Freiheit bezeichnen würde. Unterschiede zu ziehen ist also schwer.

Wenn man sich nicht sicher sein kann, ob die Ampel handelt, führt einen das direkt zur Frage „Wenn Maschinen vielleicht auch ‚handeln‘, können wir ausschließen, dass sie auch denken können?“ Die Ampel ist hierfür sicher ein simples Beispiel. Aber bei moderner Software wird es z.B schwieriger. Finanzgeschäfte  werden heutzutage teilweise „autonom“ von Programmen getätigt. Ihnen sind durch die Algorithmen zwar Rahmen aufgelegt. Aber sie haben die Autonomie, auf verschiedenen Wegen ein vorgegebenes Ziel zu erreichen. Sie erfassen die Situation, wägen Parameter ab und entscheiden.

Hier Denken zu reden, ist sicher zu metaphysisch und überzogen. Aber immerhin rütteln diese Vorstellungen an der Vorstellung und an der Begrifflichkeit von der „funktionierenden Maschine“ auf der einen und dem „handelnden Menschen“ auf der anderen Seite. Eine pragmatische Sichtweise hat Alan Touring eingenommen, um diese Frage für konkrete Maschinen zu beantworten. Er schlägt folgenden später nach ihm benannten Touring-Test vor:

It is not difficult to devise a paper machine which will play a not very bad game of chess. Now get three men as subjects for the experiment. A, B and C. A and C are to be rather poor chess players, B is the operator who works the paper machine. Two rooms are used with some arrangement for communicating moves, and a game is played between C and either A or the paper machine. C may find it quite difficult to tell which he is playing.

We now ask the question, „What will happen when a machine takes the part of A in this game?“ Will the interrogator decide wrongly as often when the game is played like this as he does when the game is played between a man and a woman? These questions replace our original, „Can machines think?“

Wenn wir Maschinen also so wahrnehmen, als würden sie denken, ist es egal, ob sie wirklich denken oder nicht. Die Auswirkungen für uns sind die gleichen. Eine elegante Definition. Soziologisch kann man diese Interaktionsweisen zwischen Mensch und Maschine als qualitativ ähnlich zu rein menschlicher Interaktion auffassen und von sozio-technischen Interaktionsgeflechten sprechen, in denen Technik in Bezug auf ihre Interaktionspartner denkend und handelnd gleichwertig ist.

 Wir können also ruhigen Gewissens denken, dass uns unser Computer absichtlich ärgert. Und ihn entsprechend beschimpfen. Armer PC-Guy.

Hi, I'm a PC



Dämlichstes Wordpress-Plugin…

20. August 2008

…seit langem ist eindeutig PingCrawl. Das Plugin sucht via Google für jeden neu geschriebenen Blogeintrag automatisch Einträge anderer Blogs mit ähnlichen Tags und pingt sie an. Das ist deswegen grober Schwachsinn, weil Pings nicht für verwandte, sondern referenzierte Inhalte anderer Blogs gedacht sind – und das ist ein großer Unterschied. Das Plugin ist reiner SEO-Spam. (Und deswegen bekommt der Link zur Plugin-Seite auch ein rel="no-follow").

Wird hoffentlich bald aus Wordpress’ Pluginverzeichnis entfernt.


Peter Gabriel – Mercy Street

20. August 2008

Wie schon der letzte Song ist auch Peter Gabriels Mercy Street aus dem Album So (iTunes Link) melancholisch, hat aber viel mehr Dichte und Tiefe. Thematisch behandelt er das Leben der Dichtern Anne Saxton und zitiert ihr gleichnamiges Werk 45 Mercy Street. Die Dichterin verkörperte das Klischeebild der gepeinigten Künstlerin und nahm sich letzendlich das Leben. Der Song ist letztendlich eine Hommage an die Anne Saxton und bedauert ihr Ende.

So ist auch der Song von Peter Gabriel nachdenklich, baut sich langsam auf und gipfelt in komplexen, surealen Melodien, bevor er wieder leiser abklingt. Über die ganze Länge bleibt der Song sehr ausdrucksvoll. Dazu begleitet Peter Gabriels Gesang die sphärischen Arrangements mit der genau richtigen Mischung aus Melancholie und Wärme.

Mein Lieblingssong dieses Albums. Passt gut zu diesem Regenwetter.


Manga Avatar

19. August 2008

Momentan sind die Manga-Avatare von Face Your Manga recht beliebt. Ich hab mich nicht 100% getroffen. Aber das Bild sieht besser aus, als mein Avatar während der South-Park-Avatar-Welle.

[via praegnanz.de]


Andain – Beautiful Things (Gabriel & Dresden Remix)

18. August 2008

Eigentlich bin ich kein großer Freund „elektronischer Musik“. Ich mag eher Rockmusik, von Pop-Rock ala Coldplay bis Metal in seinen meisten Spielarten.

Ausnahmen sind aber trotzdem erlaubt: Beautiful Things (Gabriel & Dresden Remix) (Song bei iTunes) von Andain zum Beispiel gefällt mir im Moment ziemlich gut. Die Bässe sind nicht übertrieben, der Song ist angenehm melodisch und der Gesang weich und leicht melancholisch.