Ziellose Evolution?
9. Januar 2009
Das Brights-Blog verweist auf einen Artikel in der Tagespost eines Pater Godehard Brüntrup, in der dieser eine rein materialistische – ich halte naturalistisch für das treffendere Wort – Erklärung für die Evolution des Bewusstseins als abenteuerlich abgelehnt. Sein Kernargument: Evolution und natürliche Selektion seien ein zielloser Prozess, der aufgrund seiner mangelnden Kreativität nicht zu einem kreativen Bewusstsein geführt haben könne.
Er hat den Begriff der ziellosen Evolution falsch verstanden. Evolution hat kein konkretes Ziel, aber ein konkretes Selektionskriterium, nämlich die Optimierung der Überlebensfähigkeit des Lebewesens in der aktuellen Umgebung. Bewusstsein – in Form eines großen Gehirns – hat sich deswegen entwickelt, weil es einen Überlebensvorteil bot: Die Fähigkeit großer Gehirne, komplexe Modelle der Welt zu erstellen und in ihnen Auswirkungen des eigenen Handels zu simulieren. Sprich: Die Fähigkeit zu Schlussfolgerungen.
Das Beispiel der provisorischen Brücke: Ein Gehirn, das in der Lage ist, aus einem neben einer Schlucht stehenden Baum die Schlussfolgerung zu ziehen, dass wenn dieser Baum umgestoßen wird, er auf der anderen Seite der Schlucht verkeilt und mir damit als Brücke zur Verfügung steht, bietet einen Überlebensvorteil durch Kreativität.
Der Mechanismus der natürlichen Selektion würde die Systemeigenschaft, die wir Bewusstsein nennen, wahrscheinlich bevorteilen. Mir taugt diese Erklärung mehr, als die faktisch völlig unbelegte Vorstellung einer übernatürlichen Seele, die Pater Brüntrup hier in guter theologischer Tradition als Lückenfüller für das momentan unvollständige Wissen über die genaue Funktion des Gehirns legitimiert.

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