Bischof Huber kann Pluralismus nicht ertragen
25. Januar 2009
Bischof Huber ist der Ratsvorsitzende des evangelischen Deutschen Kirchenrates und (natürlich) Unterstützer von Pro-Reli. Ich habe letztens geschrieben, warum Pro-Reli nichts anderes ist, als Unterricht mit Scheuklappen und Indoktrination. Die Scheinheiligkeit und Frechheit der angebrachten Argumente bringt Huber in einem Interview mit der Welt unfreiwillig auf den Punkt.
Unter den besonderen Berliner Bedingungen bekam eine Ethik ohne Gott den Vorrang vor einer Ethik mit Gott. Das reibt sich mit der Religionsfreiheit und der Bedeutung der jüdisch-christlichen Tradition für unsere Kultur.
Religion ist Privatsache. Umso mehr in einer pluralistischen Gesellschaft. Gerade deswegen ist der Religionsunterricht im bisherigen Berliner Modell ein freiwilliges Zusatzfach neben dem umfassenden und pluralistisch breit gefächerten Ethikunterricht. Pro-Reli ist gegen Religionsfreiheit, indem es den Schülern die Notwendigkeit einer Vermittlung breiten Wissens über Ethik und Religion absprechen will. Denn nur dieser kann die Grundlage sein, sich frei für eine Weltanschauung zu entscheiden.
Unsere Kultur ist nicht allein jüdisch-christlich geprägt, sondern wurde schon immer durch vielfältige und zahlreiche Einflüsse geformt. Die bornierte Verzweiflung, mit der die Kirche immer wieder die besondere Deutungshoheit ihrer Lehre über die ganze europäische Gesellschaft verteidigt, ist in unserer Moderne nicht mehr zu ertragen. Es ist typisch für die verquere Argumentationslogik von Pro-Reli, dass Huber dem Staat hier jene Arroganz vorwirft, die er selbst zur Schau stellt.
Der Staat hat kein Recht, die religiösen Inhalte zu definieren. Deshalb kann Ethik kein staatliches Einheitsfach sein, das für sich beansprucht, die jüdisch-christliche Perspektive oder die muslimische zu vertreten.
Abgesehen davon, dass der Religionsunterricht im Berliner Modell auf frewilliger Basis immer noch im Angebot steht, frage ich mich hier, woher die Kirche das Recht nimmt, die komplette ethische Erziehung von Kindern definieren zu wollen, statt ihnen die Freiheit des Lernens zu zugestehen. Ich akzeptiere nicht, dass alle Schüler bis zur siebten Klasse genügend Lebenserfahrung und Wissen ansammeln können, um ihre Weltanschauung unabhängig wählen zu können. Der meist einseitige Einfluss eines religiösen Elternhauses dürfte das in der Mehrheit kaum ermöglichen.
Die pluralistische, breit angelegte Bildung gehört fest in den schulischen Raum. Dem Wunsch der Kirchen nach konfessioneller Gedankendiktatur in der Schule gehören die Grenzen gezeigt.
Nebenbei: Wer diese Diskussion für eine auf Berlin begrenzte hält, sollte einen Blick in die Landesverfassung NRWs werfen:
Artikel 7: Grundsätze der Erziehung
(1) Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor der Würde des Menschen und Bereitschaft zum sozialen Handeln zu wecken, ist vornehmstes Ziel der Erziehung.
[via Brightsblog]

1 Kommentar zu diesem Eintrag
Pingback <Ds Kaisers neue Kleider - *rolleyes*> vom 11. Februar 2009 um 15:49
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