Feiertag der Evolution
26. Februar 2009
Die Giordano-Bruno-Stiftung veranstaltet gerade eine Petition, die den Austausch von Christi Himmelfahrt gegen einen säkularen Evolutionstag fordert. [via]
Am „Evolutionstag“ soll gefeiert werden, dass wir endlich den kindlichen Narzissmus überwunden haben, der uns dazu verleitete, unsere Art als „Krone der Schöpfung“ zu betrachten. Schließlich wissen wir heute, dass wir nur eine von Millionen Lebensformen auf diesem Staubkorn im Weltall sind. Und so stolz wir auch immer auf unsere „kulturellen Leistungen“ sein mögen, im Grunde sind wir kaum mehr als die „Neandertaler von morgen“.
Ich halt die Grundidee – die Einführung neutraler, säkulare Feiertage – erstmal für lobenswert. Natürlich halte ich es persönlich für sinnvoller, fundamentalen wissenschaftlichen Erkenntnissen über unsere Existenz zu gedenken, als christlichen Mythen, die de facto immer mehr an alltäglicher Bedeutung verlieren und nur noch einen Teil unserer pluralistischen Gesellschaft berühren. Man mag einwenden, dass Europa christliche Wurzeln habe und man ihnen trotz der fortschreitenden Säkularisierung gedenken müsse. Das mag zum Teil stimmen. Aber Europa ist eben viel mehr, als nur das. Und Menschen in Europa sind mehr, als nur Europäer. Wenn man Feiertage nach der Bedeutung der gefeierten Ereignisse und Ideen bemisst, hat das Christentum einen überproportinal hohen Anteil an der Verteilung.
Die Art und Weise, wie die Petition formuliert und realisiert wird, halte ich aber für einen Schuss ins eigene Knie. Man erkennt recht deutlich, dass es Michael Schmidt-Salomon nicht einfach um die Würdigung säkularer Selbsterkenntnisse und Leistungen geht, sondern er hauptsächlich die institutionelle Verankerung der Religion kritisiert. Beides ist erstmal gerechtfertigt. Aber beides gleichzeitig und so offensiv zu fordern, behindert sich jeweils gegenseitig: Die Einführung eines säkularen Feiertags bekommt unnötigen Widerstand dadurch, dass gleichzeitig ein christlicher Feiertag mit der Begründung weichen müsste, naiver Kinderkram zu sein. Ebenso fördert es nicht den Abbau institutionalisierter Religion im Staat, wenn man sie durch ebenso institutionalisierte Wissenschaft ersetzten will.
Im aktuellen Darwin-Jahr wird gerade Darwin teilweise in einem Maße mystifiziert, der über das Ziel hinaus schießen kann. Natürlich ist Darwin ein bewunderswerter Mann, aber auch nur ein bewundernswerter Mann von vielen. Die Theorie der Evolution war eine wichtige Beobachtung. Ihre Konsequenz für das menschliche Weltbild kann man ebenfalls nicht kleinreden. Wir Vertreter des Säkularismus laufen aber momentan Gefahr, sie überzustrapazieren. Sie ist erstmal immer noch nur eine naturwissenschaftliche Theorie und Beobachtung, keine politische oder weltanschauliche Streitschrift. Ihre Implikationen mögen politische und weltanschauliche Bedeutung haben, aber Darwin selbst wollte nur ein naturwissenschaftliches Phänomen beschreiben. Wir dienen ihm nicht gut, wenn wir seine Leistung nur noch politisch betrachten bzw. glorifizieren.
Ein Feiertag der Wissenschaft bzw. auch konkret der Evolution ist dennoch eine gute Idee. (Deswegen habe ich die Petition trotzdem gezeichnet.) Aber in Verbindung mit weitreichendereren politischen Motivationen und einer Instrumentalisierung Darwins verhärten wir unnötig Fronten.

