Nicht-Erziehung zur Sexualität
5. Februar 2009
Bei SpON kann man gerade eine lose Aufzählung katholischer und evangelischer Randgruppen in Deutschland finden. An sich liest man dort nichts Neues. Eine Aussage ist mir aber doch aufgefallen.
In den Reihen evangelischer Fundamentalisten gibt es beispielsweise den Homeschooling-Verband, deren Mitglieder es ihren Kindern verbieten, staatliche Schulen zu besuchen – weil sie sowohl den Sexualkundeunterricht als auch die Evolutionstheorie als atheistisch ablehnen. Sie sind der Ansicht, dass Kinder durch den Aufklärungsunterricht zur sexuellen Betätigung animiert werden.
Nicht nur Fundamentalisten verunglimpfen sexuelle Freiheit als unmoralisch. Es ist breiter christlicher Konsens, Sex vor der Ehe für unmoralisch zu halten. Diese Ansicht widerspricht zwar nicht automatisch einer aufklärenden Erziehung im Kindesalter, tabuisiert Sexualität aber als etwas, was nur im Rahmen einer Ehe Platz hat. Die Lust auf Sexualität interessiert das natürlich herzlich wenig. Die kommt so oder so.
Moralisten beschwören angesichts jugendlicher Sexualität den Verfall von Werten und Verantwortung; geben ihr die Schuld an ungewollten Schwangerschaften und Geschlechtskrankheiten. Ist die sexuelle Aufklärung daran Schuld? Natürlich nicht. Eher das konkrete Gegenteil: Wenn Sexualität tabuisiert wird, führt das viel eher zu einem unaufgeklärtem „Einfach ausprobieren“-Umgang damit. Der Wunsch nach Sex verschwindet nicht, wenn man ihn unterdrückt. Es führt höchstens zu Schuldgefühlen und Ahnungslosigkeit über Verhütung.
Eine bekannte (aber auch oft methodologisch angegriffene) Studie von Gregory Paul kommt zu dem Schluss
In general, higher rates of belief in and worship of a creator correlate with higher rates of homicide, juvenile and early adult mortality, STD infection rates, teen pregnancy, and abortion in the prosperous democracies.
Wie aussagekräftig die Studie nun auch sein mag: erwzungenes Nicht-Wissen hat noch nie viel gebracht.

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