Wie aus Indizierung Zensur wird

16. Februar 2009

Ich bin nicht generell gegen Indizierung. Ich fände es sinnvoll, Eltern eine Liste von bedenklichem Material zur Verfügung zu stellen, mit der sie selbstständig Filtersoftware auf dem Rechner oder anderen Mediengeräten installieren können, wenn sie das für ihr Kind sinnvoll halten. Pauschale Indizierung nach Altersstufen differenziert einfach nicht genug zwischen den individuellen Reifegraden von Jugendlichen.

Die aktuelle Praxis der Indizierung im Internet in Deutschland ist aber mehr als kritikwürdig. Viele Suchmaschinen – auch Google.de – installieren auf freiwilliger Basis ein Filter-Modul des BPjM, das indizierte Inhalte filtert. Das Problem ist: Es filtert diese Inhalte für alle Benutzer der Suchmaschine. Auch für Erwachsene. Damit wird aus der Indizierung faktisch eine kleine Schwester der Zensur. Denn was nicht in Suchmaschinen auftaucht, existiert praktisch auch nicht.

Dass eine Filterung im Internet schwierig bis unmöglich ist, sollte gerade deswegen nicht zu solchen extremen Maßnahmen führen. Die Filterwünsche von Frau von der Leyen sind da das momentan erschreckendste Beispiel. Sie funktionieren nicht nur nicht, sie behindern potentiell und kollateral auch völlig legales Tun im Internet. Indizierung als Prinzip sollte deswegen nicht abgeschafft werden. Aber es sollte nach selbstbestimmteren Möglichkeiten gesucht werden, die den Eltern die Kontrolle gibt.

4 Kommentare zu diesem Eintrag

  1. Stefan am 16. Februar 2009 um 17:45

    Ich stimme Dir da vollumfänglich zu.

    http://skepticashell.wordpress.com/2008/04/11/die-zensur-geht-weiter/

  2. Toni am 16. Februar 2009 um 19:06

    Autor

    Schöner Artikel von dir. Was in den letzten Jahren zur angeblichen schädlichen Wirkung von Computerspielen gesagt worden und welche Maßnahmen gefordert worden sind, war teilweise bizarr und kündete von krasser konservativer Unwissenheit.

    Was ich aber fast schlimmer finde: Es entsteht durch solche überzogenen Haltungen ebenso überzogene Gegenhaltungen, die jede Indizierung mit den gleichen Argumenten für nicht nur schlecht umgesetzt sondern generell sinnlos halten. Das ist auch eindimensional; nur eben aus der anderen Perspektive her. Das Gemecker um das indizierte Pro-Ana-Blog letzten Monat fand ich teilweise schrecklich borniert und hat zu oft die eigentlich wichtige und schwierige Frage nach der richtigen und freiheitlichen Umsetzung von Indizierungsmechanismen ausgeblendet.

  3. Stefan am 16. Februar 2009 um 20:27

    Naja, genau das ist doch das Problem:

    Wo fängt man an und wo hört man auf? Der eine hält z.B. ein Kinderbuch für jugendgefährdend, ein anderer die Bibel.

    Hier dann durch eine Indizierung, der nunmal einen schwerwiegenden staatlichen Eingriff darstellt, ein Medium zu verbieten oder massiv zu filtern, ist ein ernsthaftes Problem.

    Und das, was heute in Deutschland als Jugendschutz bezeichnet wird, ist defakto in einigen Bereichen eine Zensur, die ich persönlich für hochgradig problematisch halte.

    Völlig losgelöst davon sehe ich ja auch die Notwendigkeit, Kinder zu schützen. Aber dies ist nicht in erster Linie Aufgabe des Staates. Schon gar nicht, wenn er dies mit der Bibel in der Hand durchführen will. (vergl. Frau v.d.Leyen…)

  4. Toni am 16. Februar 2009 um 20:35

    Autor

    Genau so ist es.

    Was ich schlimm finde, ist dass die Indizierung an sich in Frage gestellt wird. Dabei ist diese Frage völlig irrelevant. Denn es ist eine persönliche Sache der Eltern und ihres Kindes, was für dieses Kind nun noch „zu krass“ ist und was nicht. Die Diskussionen gehen aber meistens eben darum: Ob Computerspiele schlimm sind oder nicht, z.B. Aber das ist wie gesagt gar nicht das Problem.

    Die einzig relevante Frage ist, wie man eine bessere Form der Indizierung finden kann. Also z.B. eine offizielle Liste als umfangreiche Grundlage, aus der Eltern bestimmte Inhalte entfernen oder hinzufügen können und dann selbstständig bei sich auf dem Computer des Kinds installieren können.

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