Wolfram Alpha ist keine Suchmaschine

10. März 2009

Wolfram Alpha ist ein gutes Beispiel für eine gehypte Sache, von der niemand so richtig weiß, was sie überhaupt ist, was sie kann und wie sie funktioniert. Die einen reden von einer „semantischen Websuche“; und andere bereiten sich sicher schon darauf vor, den Weltuntergang durch verrückte, hochintelligente Maschinen zu predigen. Wolfram Alpha bekommt derweil viel Werbung, ohne dass öffentliche Demos gezeigt oder konkrete technische Dokumente veröffentlicht wurden. Es gibt nur vereinzelte Berichte über private Demos.

Man kann Wolfram Alpha grob als ein Software-System beschreiben, das Wissen und Algorithmen auf Grundlage eines sehr allgemeinen Modells miteinander in Verbindung setzt. Bei dem Wissen kann es sich z.B. um statistische Daten eines Landes halten; bei einem der Algorithmen z.B. um die Vorgehensweise, wie man aus diesen Daten das Bruttosozialprodukt berechnet. Wolfram Alpha versucht, die Relation zwischen Informationen und Algorithmen möglichst allgemein zu modellieren, sodass auf Grundlage dieses Modells Faktenwissen aus Daten berechnet werden kann. Als Benutzerinterface dient ein Parser, der aus einer in natürlicher Sprache formulierten Frage die benötigten Daten und Algorithmen ableitet.

Das klingt sehr interessant und nach einer Menge Aufwand. Aber es ist keine Suchmaschine. Soweit ich es verstanden habe, muss der Daten- und Algorithmenbestand von Wolfram Alpha von Menschen gepflegt werden. Damit kann das System auch nur solche Fragen behandeln, für die ihm bereits Daten und Algorithmen eingepflegt wurden. Die konkrete Semantik der Daten und der Algorithmen muss dabei von Menschen verwaltet werden.

Wolfram Alpha ist damit eine Art gemanagte Enzyklopädie mit einem enorm flexiblen Userinterface. Es durchsucht aber nicht auf eigene Faust das Web und extrahiert Wissen. Für eine automatische Indizierung und Suche des Webs wird man immer noch Google & Co zu Rate ziehen müssen.

(Ich frage mich übrigens, wie viele Leute als erste Frage „Answer to Life, the Universe, and Everything?“ eingeben werden.)

2 Kommentare zu diesem Eintrag

  1. Simon am 10. März 2009 um 21:13

    Hab die Tage auch irgendwo gelesen, dass es wohl weniger eine Konkurrenz für Google, sondern mehr eine für Wikipedia (bzw Online-Enzyklopädie allg., wie du schon erwähnt hast) sein soll.
    Das Prinzip hört sich zwar interessant an, aber es ist beiweitem nicht die erste Suchmaschine (obwohl es ja keine ist ;)), die als DIE Innovation und Googlekiller angepriesen ist, nur um in den ersten Stunden der Veröffentlichung unter der Last des Internets zusammenzubrechen und danach wieder im digitalen Nirvana zu versinken.
    Und wenn die Antwort nicht 42 ist, kann man das Teil sowieso nicht ernst nehmen… -_-
    Edit: Ich hätte wohl erstmal deine Links lesen sollen, da steht ja quasi alles drin, was ich grade gesagt hab…

  2. Toni am 11. März 2009 um 20:19

    Autor

    Ich bin mir absolut sicher, dass die „42“ als erste Antwort hardgecoded haben. ;-)

    Ich bin auf jeden Fall auch gespannt auf das Ergebnis. Auch wenn ich mich das stumpfsinnige Gehype etwas nervt. Am Ende sind dann wieder alle enttäuscht und wertschätzen die Sache nicht als eine gute Entwicklung, weil sie irgendetwas welterschütterndes erwartet haben.

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