Gottes Sitz im Deutschen Ethikrat

11. März 2009

Der Deutsche Ethikrat ist nach eigener Definition ein unabhängiger Sachverständigenrat, in dem „unterschiedliche ethische Ansätze und ein plurales Meinungsspektrum vertreten“ sein sollen. Seine Aufgabe definiert er wie folgt.

Der Deutsche Ethikrat verfolgt die ethischen, gesellschaftlichen, naturwissenschaftlichen, medizinischen und rechtlichen Fragen sowie die voraussichtlichen Folgen für Individuum und Gesellschaft, die sich im Zusammenhang mit der Forschung und den Entwicklungen insbesondere auf dem Gebiet der Lebenswissenschaften und ihrer Anwendung auf den Menschen ergeben. Zu seinen Aufgaben gehören insbesondere:

  1. Information der Öffentlichkeit und Förderung der Diskussion in der Gesellschaft unter Einbeziehung der verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen;
  2. Erarbeitung von Stellungnahmen sowie von Empfehlungen für politisches und gesetzgeberisches Handeln;
  3. Zusammenarbeit mit nationalen Ethikräten und vergleichbaren Einrichtungen anderer Staaten und internationaler Organisationen.

Der Ethikrat besteht aus 26 Mitgliedern, die je zur Hälfte von Bundesregierung und Bundestag bestimmt werden. Auf der Website des Ethikrates kann man sich ihre Lebensläufe ansehen; ich habe sie gerade aus Interesse überflogen und Hinweise auf Religion/Weltanschauung der Mitglieder gesucht.

  1. Vier Mitglieder sind Theologen
  2. Neun weitere Mitglieder haben in der Vergangenheit Ämter in christlichen Organisationen besetzt oder besetzen sie gegenwärtig
  3. Bei den restlichen dreizehn Mitgliedern fanden sich keine Hinweise auf Religion oder Weltanschauung

Bedauerlich, das die Mitglieder keine kurze Beschreibung ihrer Weltanschauung angeben; denn die dürfte bei solchen Amtsträgern besonderes öffentliches Interesse haben. Festzuhalten bleibt, dass die Hälfte der Mitglieder des Deutschen Ethikrates offensichtlich mit christlichen Organisationen verbunden sind und man daher annehmen darf, dass sie persönlich christlichen Glaubens sind. Unter den restlichen Mitgliedern dürfte es ebenfalls Christen geben; nur kann man es ihren Lebensläufen nicht direkt entnehmen. Bei keinem der Mitglieder habe ich beim Überfliegen einen Hinweis auf Mitgliedschaft in einer säkularen Organisation gesehen. Ebenso fand ich keinen Hinweis auf Anhänger nicht-christlicher Religionen.

Seit dem Start der Buskampagne haben nicht wenige Kommentatoren kritisiert, dass säkulare Menschen in Deutschland keinen Grund zum Meckern hätten. Ganz so schnell kann man das offenbar nicht hinnehmen…

2 Kommentare zu diesem Eintrag

  1. Beni am 4. Juni 2009 um 23:28

    naja, in einem land in dem auf jedenfall ueber 50% der menschen christlichen glaubens sind, ist es wohl nicht falsch, den das land vertretenden ethikrat mit 50% christlich geprägten menschen zu besetzen? wo siehst du da das problem?

  2. Toni am 4. Juni 2009 um 23:46

    Autor

    Die Anzahl der Leute, die wirklich bewusst Christen sind und die Meinungen christlicher Institutionen teilen, ist deutlich geringer. Hier ging es auch nur darum, dass über die Hälfte für christliche Institutionen tätig war und damit praktisch eindeutig die “christliche Lobby” und ggf. Einheitsmeinung vertritt, während in der anderen Hälfte sicher viele Mitglieder ebenfalls Christen sind.

    Die Trennung von Staat und Kirche droht hier zu verwischen.

    Auf der anderen Hand sind keine Vertreter anderer “Lobbys” zu erkennen.

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