Monatsarchiv Juli 2009
Es folgen alle Einträge, die im Juli 2009 veröffentlicht wurden.
Wir erinnern uns, dass der BVG die atheistische Buskampagne mit der Begründung abgelehnt hat, man wolle in Zukunft in weltanschaulichen Fragen neutral bleiben. Dass man dennoch für einen „Tag der Kirchen“ wirbt – über den ich spontan keine weiteren Informationen gefunden habe – soll mir da egal sein, da ich den Unterschied zwischen Veranstaltung und prinzipieller Werbung unter Umständen gelten lasse; auch wenn es einen säuerlichen Nachgeschmack hintelässt.
Dieses (anscheinend aktuelle) Plakat, geht dann aber doch zu weit:

Das Plakat stammt vom Christlichen Plakatdienst, dessen Aussage ziemlich klar ist: Akzeptiere Jesus als deinen Erlöser, oder sei auf ewig verdammt, du Sünder! Die bekannte christliche Kernaussage, basierend auf Moral- und Weltvorstellungen aus der Bronzezeit. Für diesen höchst subjektiven und Angst schürenden Unsinn hat der BVG anscheinend eine Wand in seinen Wartehallen – davon ausgehend, dass das Bild eine Wand im Besitz des BVG zeigt – frei.
Man darf schlussfolgern: Der BVG will nicht in erster Linie neutral sein, sondern einfach nur keinen Ärger haben. Ob damit Ärger mit erzürnten Christen oder Ärger mit dem allmächtigen, ewigen Grillmeister sei dahingestellt.
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Der Wortlaut des irischen Gesetzes gegen Blasphemie lautet (vor der Änderung der Höchststrafe von 100000€ auf 25000€):
36. Publication or utterance of blasphemous matter.
(1) A person who publishes or utters blasphemous matter shall be guilty of an offence and shall be liable upon conviction on indictment to a fine not exceeding €100,000.
(2) For the purposes of this section, a person publishes or utters blasphemous matter if (a) he or she publishes or utters matter that is grossly abusive or insulting in relation to matters held sacred by any religion, thereby causing outrage among a substantial number of the adherents of that religion, and (b) he or she intends, by the publication or utterance of the matter concerned, to cause such outrage.
(3) It shall be a defence to proceedings for an offence under this section for the defendant to prove that a reasonable person would find genuine literary, artistic, political, scientific, or academic value in the matter to which the offence relates.
In Deutschland haben wir ein ähnliches Gesetz. Der Unterschied liegt in der Bemessung der Tat. In Deutschland muss dadurch der öffentliche Friede – also die rechtmäßige Ordnung – bedroht sein, während in Irland scheinbar die reine Empörung einer relevanten Menge von Personen ausreicht, um den Tatbestand herzustellen.
Jurist bin ich nicht, deswegen bin ich bei der Auslegung der Texte etwas vorsichtig. Ich tendiere aber – wie viele andere – dazu, dass der irische Paragraph das falsche Signal setzt. Religiöse Menschen tendieren eher dazu, sich von willkürlichen, marginalen irrelevanten Sachen wie der Homosexualität oder von privaten Ansichten, wie der Leugnung ihres offensichtlich abstrusen Glaubens an sich, die sie eigentlich nichts angehen, empört zu fühlen. Die für sich selbst geforderte Toleranz wird der „Gegenseite” hier zu oft verwehrt. Warum diese bigotte Haltung auch noch gesetzlich unterstützen?
Im Alten Testament finden wir folgende … seltsame Geschichte des Propheten Elisa.
Und er ging hinauf gen Beth-El. Und als er auf dem Wege hinanging, kamen kleine Knaben zur Stadt heraus und spotteten sein und sprachen zu ihm: Kahlkopf, komm herauf! Kahlkopf, komm herauf! Und er wandte sich um; und da er sie sah, fluchte er ihnen im Namen des HERRN. Da kamen zwei Bären aus dem Walde und zerrissen der Kinder zweiundvierzig.
– 2. Könige 2:23-24 (Lutherbibel 1912)
Wenn ein christlicher Leser diese Geschichte erklären kann, wäre ich wirklich interessiert.
Irgendwie ist diese Aussage schon ein wenig Mitleid erregend:
Bei meiner Bekehrung mit 26 Jahren wollte ich die absolute Wahrheit wissen. Ich bat den Hl. Geist, dass er mir Erkenntnis schenkt und schlug in diesem Sinn die Hl. Schrift auf und las und schlug sie wieder zu und schaute 2 Wochen nicht mehr hinein.
Ich las: Die Frau sei dem Manne untertan.
Ich dachte daüber nach und sagte mir, dass, wenn ich die Wahrheit wissen will, dann muss ich sie auch annehmen, auch wenn sie bitter ist.
Na gut, dachte ich, aber wie?
Ich versuchte es in mein Leben zu bringen. Und ich muss sagen, seitdem führten wir eine glückliche Ehe.
Ich bin draufgekommen, dass ich eine Pseudoemanze war, die nichts gelten lies, was er für richtig hielt. Er war in Dauerverteidigungsposition.
Und eigentlich wollte ich das ja gar nicht, ich liebte ihn ja.
Das ist meine persönliche Sicht dieser Dinge.
Wozu Konflikte mühsam aushandeln, wenn es die Bibel gibt.