Christentum

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Mit Gott gibt es keinen Klimawandel

27. Mai 2009


Schwarz-Weiß-Ethik

5. März 2009

Es gibt Meldungen, die will man am liebsten schnell vergessen, wenn man eh schon einen schlechten Tag hatte. Diese hier gehört zweifellos dazu: In Brasilien hat die katholische Kirche ein Mädchen exkommuniziert und verurteilt, weil es Zwillinge abgetrieben hatte. Die Eltern und die beteiligten Ärzte wurden ebenfalls exkommuniziert. Abtreibung ist in Brasilien verboten, außer es besteht eine medizinische Notwendigkeit.

Das unfassbare: Das Mädchen war 9 Jahre alt. Ihre Zwillinge waren das Ergebnis einer Vergewaltigung durch den Stiefvater. Das Mädchen hätte in diesem Alter die Geburt von Zwillingen wahrscheinlich nicht überlebt. Die katholische Kirche hatte sich vehement gegen die Abtreibung ausgesprochen.

Der Rechtsanwalt der als besonders konservativ geltenden Erzdiözese von Olinda und Recife, Marcio Miranda, sagte: “Wir halten das für Mord. Das Gesetz Gottes lautet: Du sollst nicht töten.” Nach Worten von Sobrinho bedeutet die Exkommunizierung, dass die Betroffenen nicht mehr am Abendmahl teilnehmen und keine Sakramente empfangen dürften. In die Hölle kämen sie aber nicht automatisch, wenn sie “rechtzeitig bereuen und um Vergebung bitten”, sagte der Erzbischof.

Ein Wort: Intelligenzallergie.

Man mag jetzt wieder einwenden, dass es sich ja nur um erzkonservative Fundamentalisten handle. Aber muss man dieser Bande nicht zugestehen, dass sie sich auf Kerngebote ihres Gottes beruft? In Europa hätten wir für den Fall dieses Mädchens in der breiten Masse der Christen sicher eine willkürliche Schönwetter-Interpretation „subtilere Auslegung” göttlicher Moral; aber warum soll diese richtiger sein, als die hirnverbrannte, blinde Unmenschlichkeit der Diözese von Olinda und Recife? Wer entscheidet, wo die Grenze zwischen gerechtfertigter und ungerechtfertiger Abtreibung zu ziehen ist?

Etwa die zehn Gebote? Gottes Eingebung? Ach bitte…


Bullshit aus der Bibel, Teil III

23. Februar 2009

Bleiben wir beim heiligen Paulus:

Das sind die Juden, die unseren Herrn Jesus getötet und das Gleiche schon mit den Propheten gemacht haben und auch uns verfolgen. Sie missfallen Gott und sind mit allen Menschen verfeindet, weil sie uns hindern wollen, den anderen Völkern die rettende Botschaft zu verkündigen. So machen sie das Maß ihrer Sünden endgültig voll und der Zorn Gottes wird unweigerlich über sie hereinbrechen.

– 1. Thessalonicher, 2:15

Es finden sich zahlreiche ähnliche Stellen im neuen Testament. Allen gemein ist, dass ein ganzes Volk pauschal über den Kamm geschert wird. Kollektiv- bzw. Erbsünde ist der Bibel ja kein fremdes Prinzip. Auch der gute Martin Luther fuhr eine solche biblische Pauschal-Moral und war ein widerlicher Antisemit. In seiner Schrift Von den Jüden und iren Lügen (Scans des Originaltextes) schreib er:

Ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes, durchteufeltes Ding ist’s um diese Juden, so diese 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind. Summa, wir haben rechte Teufel an ihnen.

Wenn ich könnte, wo würde ich den Juden niederstrecken und in meinem Zorn mit dem Schwert durchbohren.

Nächstenliebe ist halt nur für auf die Nächsten bezogen – auf Glaubensbrüder.


Die Bibel als Richtschnur fürs Leben

16. Februar 2009

Natürlich wissen die meisten Christen und Nicht-Christen, dass die Bibel keine wörtlich zu nehmende, einheitliche Schift ist; auch wenn es noch genug Glaubensströmungen gibt, die eine worttreue Interpretation der Bibel fordern. Nach der am weitesten verbreiteten Form der Bibelauslegung werden Bibeltexte als Texte eines menschlichen Verfassers gedeutet, dessen spezieller zeitlicher und gesellschaftlicher Kontext berücksichtigt werden muss.

Da frage ich mich dann aber: Was unterscheidet die Bibel dann noch von jedem anderen Buch?

Denn Christen sehen sie nicht als ein Buch wie jedes andere. Die in ihr beschriebenen Glaubenserlebnisse werden als direkt von Gott inspirierte Erlebnisse mit wahrem historischem Kern gedeutet. Wenn ein Christ von der Bibel als Wort Gottes spricht, höre ich daraus nicht nur, dass er die Bibel für eine wichtige Schriftsammlung, sondern für eine konkret heilige Schriftsammlung hält. Auch wenn ihre Entstehungsgeschichte wenig heilig, sondern menschlich und politisch begründet ist. Die Unterschrift sei trotzdem immer noch die eines persönlichen Gottes.

Die Bibel gilt Christen als eine Art Spiegel, in der man seine eigene Suche nach Sinn, nach Lebenshilfe und Lebensdeutung in biblischen Personen und Ereignissen wieder findet. (Meine Mutter z.B. ist sehr gläubig und schickt mir regelmäßig Briefe mit Bibelzitaten.) Als ich die Bibel das erste Mal las, war mir dieses Bild der Bibel bewusst. Aber auch mit diesem abstrakteren Bibelbild waren mir viele Stellen suspekt. Und in den anderen konnte ich keine besondere göttliche Inspiration erkennen. Es gibt Hollywood-Filme, aus denen sich mehr Substanz extrahieren lässt, als aus so manchen beliebten Bibelstellen. Einige Beispiele:

Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr denn Speise? Und der Leib mehr denn die Kleidung? Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie? Wer ist aber unter euch, der seiner Länge eine Elle zusetzen möge, ob er gleich darum sorget? Und warum sorget ihr für die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht.

– Matthäus 6:25

Welche Lehre soll ich daraus ziehen? Nicht mehr zu arbeiten und mich vom Gras des Stadtparks zu ernähren? Dass es wichtigeres gibt, als materielle Dinge, kann man akzeptieren. Aber soll man sich deswegen um materielle Dinge gar keine Gedanken mehr machen und blind auf einen unsichtbaren abstrakten Gott vertrauen? Das ist doch absurd. Gerade wenn man sich vor Augen führt, dass diese Bibelstelle auch in den Kriegs- und Hungersnotgebieten der Erde Bestand haben soll, wenn die dortige Ernte wieder dürftig ausfällt.

(Nebenbei: Der gute Paulus sah das wie so oft ganz anders als Jesus und meinte knallhart, dass jeder, der nicht arbeitet, auch nicht essen soll. Was er wohl zum Sozialstaat gesagt hätte, der niemanden verhungern lässt…)

Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.

– Johannes 8:7

Wenn man darunter versteht, dass man nicht vorschnell und arrogant urteilen soll, kann man dem zustimmen. Aber ist es nicht eher so gemeint, dass wir gar nicht richten sollen? Immerhin stehen solche Aussagen Jesu auch an anderen vielen Stellen der Bibel ganz konkret: „Richtet nicht!“ (Matthäus 7:1). Sollen wir unsere Verfassung verbrennen, die Gerichte schließen und nur noch auf der Grundlage recht dürftiger biblischer Gesetze leben?

Ihr habt gehört, daß da gesagt ist: “Auge um Auge, Zahn um Zahn.” Ich aber sage euch, daß ihr nicht widerstreben sollt dem Übel; sondern, so dir jemand einen Streich gibt auf deinen rechten Backen, dem biete den andern auch dar. Und so jemand mit dir rechten will und deinen Rock nehmen, dem laß auch den Mantel.

– Matthäus 5:38

Eine sehr romantische Idee von Gerechtigkeit. Aber ich würde die Manager so manchen Finanzinstitutes lieber Rechenschaft ablegen sehen, als dass ich ihnen noch den Rest meiner Ersparnisse gebe. Auch würde ich jemandem, der mir lachend meine Brieftasche klaut, nicht auch noch mein Handy anbieten. Und vor allem würde ich die Polizei rufen und mich danach leidenschaftlich über den Penner aufregen.

Mal wieder was vom guten Paulus:

Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, so dass ich Berge versetzen könnte und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts. 

Und wenn ich alle meine Habe den Arme gäbe und ließe meinen Leib verbrennen, und hätte die Liebe nicht, so wäre mir´s nichts nütze. Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. 

Die Liebe hört niemals auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk, und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören.

Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die Größte unter ihnen.

– 1. Korinther 13:1

Ich gebe zu, ich mag die Stelle als poetischen Text. Aber als Lebenshilfe? Liebe erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, duldet alles? Es mag Leute geben, die einen kompromisslosen Glauben und das Ertragen von Leid bis hin zur sklavischen Selbstgeißlung für etwas bewundernswertes halten. Mir sind Leute, die sich aufregen, wenn sie etwas stört, auf jeden Fall lieber.

Das ist das Problem mit der Bibel: vieles konkret ausgelegt ist schlicht absurd und oft auch verabscheuungswürdig. Abstrakt ausgelegt, macht vieles aber keinen substanziellen Sinn mehr. Im Endeffekt macht die Bibel am meisten Sinn, wenn man sie als das begreift, was sie ist. Antike Texte, die von Menschen geschrieben und unter teilweise obskuren Umständen zu einer Schriftsammlung kombiniert wurden. Texte, die zu einem signifikanten Teil eine Gesellschaftsstruktur konstituieren wollten und dafür Zweifel im Keim ersticken. Texte, die für ihre Verfasser die wortwörtliche Wahrheit ausdrückten.

Ihre Auslegung ist im höchsten Maße willkürlich und vom Wunschdenken des christlichen Lesers geleitet. Sie wurde mit Sicherheit von keiner unsichtbaren, allmächtigen und allweisen Person geprägt.


Bullshit aus der Bibel, Teil II

8. Februar 2009

Heute ist mal der heilige Paulus dran:

Ich lasse euch aber wissen, daß Christus ist eines jeglichen Mannes Haupt; der Mann aber ist des Weibes Haupt; Gott aber ist Christi Haupt.

– 1. Brief an die Korinther, 11:3

Wie in allen Gemeinden der Heiligen lasset eure Weiber schweigen in der Gemeinde; denn es soll ihnen nicht zugelassen werden, daß sie reden, sondern sie sollen untertan sein, wie auch das Gesetz sagt. Wollen sie etwas lernen, so lasset sie daheim ihre Männer fragen. Es steht den Weibern übel an, in der Gemeinde zu reden.

– 1. Brief an die Korinther, 14:33-35

Ein sehr menschenfreundliches Frauenbild. Aber immerhin hat schon der liebe Gott die Frau nur als „Gehilfin“ des Mannes gesehen. (1. Mose 2:18) Ob er und der gute Paulus damit auch das Frauenbild späterer christlicher Prominenz mitgeprägt haben?

(Wer sich über die reißerische Überschrift aufregt: Was nach Bullshit riecht, muss Bullshit sein.)