Christentum
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Bei SpON kann man gerade eine lose Aufzählung katholischer und evangelischer Randgruppen in Deutschland finden. An sich liest man dort nichts Neues. Eine Aussage ist mir aber doch aufgefallen.
In den Reihen evangelischer Fundamentalisten gibt es beispielsweise den Homeschooling-Verband, deren Mitglieder es ihren Kindern verbieten, staatliche Schulen zu besuchen – weil sie sowohl den Sexualkundeunterricht als auch die Evolutionstheorie als atheistisch ablehnen. Sie sind der Ansicht, dass Kinder durch den Aufklärungsunterricht zur sexuellen Betätigung animiert werden.
Nicht nur Fundamentalisten verunglimpfen sexuelle Freiheit als unmoralisch. Es ist breiter christlicher Konsens, Sex vor der Ehe für unmoralisch zu halten. Diese Ansicht widerspricht zwar nicht automatisch einer aufklärenden Erziehung im Kindesalter, tabuisiert Sexualität aber als etwas, was nur im Rahmen einer Ehe Platz hat. Die Lust auf Sexualität interessiert das natürlich herzlich wenig. Die kommt so oder so.
Moralisten beschwören angesichts jugendlicher Sexualität den Verfall von Werten und Verantwortung; geben ihr die Schuld an ungewollten Schwangerschaften und Geschlechtskrankheiten. Ist die sexuelle Aufklärung daran Schuld? Natürlich nicht. Eher das konkrete Gegenteil: Wenn Sexualität tabuisiert wird, führt das viel eher zu einem unaufgeklärtem „Einfach ausprobieren“-Umgang damit. Der Wunsch nach Sex verschwindet nicht, wenn man ihn unterdrückt. Es führt höchstens zu Schuldgefühlen und Ahnungslosigkeit über Verhütung.
Eine bekannte (aber auch oft methodologisch angegriffene) Studie von Gregory Paul kommt zu dem Schluss
In general, higher rates of belief in and worship of a creator correlate with higher rates of homicide, juvenile and early adult mortality, STD infection rates, teen pregnancy, and abortion in the prosperous democracies.
Wie aussagekräftig die Studie nun auch sein mag: erwzungenes Nicht-Wissen hat noch nie viel gebracht.
Die katholische Kirche ist immer für einen Lacher gut, und produziert am laufenden Band Gedankendurchfall, mit dem man Berge von Klopapierrollen füllen könnte.
Und das nicht erst, seit der Papst die besonders verrückten Spinner der Piusbruderschaft rehabilitiert hat. Die letzten Heldentaten von Herrn Ratzinger sind nur die Krönung der Dummheit und Intoleranz, die mit seinem Pontifikat eine wahre Blütezeit in der katholischen Kirchen erfahren. Dass der Papst anderen Religionen gerne ins Gesicht flatulenziert, zeigte er z.B. schon mit der Wiedereinführung der lateinischen Messe, in der für die Bekehrung der Juden gebetet wird, die in “Verblendung” und in “Finsternis” leben. Man kann es kaum fassen.

Karrikatur von Klaus Stuttmann
Ich frage mich wirklich, wie man Mitglied einer im Kern verfassungsfeindlichen Glaubensgemeinschaft sein kann, deren Leitung man wohlwollendsten Fall als weltfremd und unzurechnungsfähig bezeichnen muss. Just diese Woche hat Herr Ratzinger einen weiteren Bock geschossen, in dem er einen Verrückten zum Bischof ernannte, der Harry Potter für Satanswerk und Naturkatastrophen für die gerechte Strafe Gottes für Homosexualität hält. Wahrscheinlich haben sich die Katholiken längst an solchen Schwachsinn gewöhnt.
Du hast nur noch ein Gehirn, damit deine Schädeldecke nicht einstürzt? Du bist Papst!
Update
Der René muss auch seinem Ärger auf den Papst Luft machen. Kann man es wirklich sanftmütiger ausdrücken, wenn man den Kern des Anstoßes dabei nicht verschleiern will?
Jahwe sagte zu Mose: „Wenn du die Gesamtzahl der Israeliten ermittelst, dann soll jeder Gemusterte Jahwe ein Lösegeld für sein Leben zahlen, damit bei der Musterung keine Seuche über das Volk kommt.“
– 2. Mose, 30:11-12
Da sage noch einer, die Ablassbriefe der Kirche wären nur ein tragischer Missbrauch des Herrn gewesen.
[Altes-Testament-Disclaimer]
Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn ich sage euch wahrlich: Bis daß Himmel und Erde zergehe, wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüttel vom Gesetz, bis daß es alles geschehe.
– Matthäus 5:17-18
Diese Worte soll Jesus laut der Geschichte der Bergpredigt gesagt haben. Sagt man nicht immer: „Jaja, das Alte Testament ist schlimm, aber für Christen zählt eigentlich nur das Neue Testament“? Noch ein Grund, die Figur des Jesus nicht zu einem moralischen Vorbild zu verklären.
Das Brights-Blog verweist auf einen Artikel in der Tagespost eines Pater Godehard Brüntrup, in der dieser eine rein materialistische – ich halte naturalistisch für das treffendere Wort – Erklärung für die Evolution des Bewusstseins als abenteuerlich abgelehnt. Sein Kernargument: Evolution und natürliche Selektion seien ein zielloser Prozess, der aufgrund seiner mangelnden Kreativität nicht zu einem kreativen Bewusstsein geführt haben könne.
Er hat den Begriff der ziellosen Evolution falsch verstanden. Evolution hat kein konkretes Ziel, aber ein konkretes Selektionskriterium, nämlich die Optimierung der Überlebensfähigkeit des Lebewesens in der aktuellen Umgebung. Bewusstsein – in Form eines großen Gehirns – hat sich deswegen entwickelt, weil es einen Überlebensvorteil bot: Die Fähigkeit großer Gehirne, komplexe Modelle der Welt zu erstellen und in ihnen Auswirkungen des eigenen Handels zu simulieren. Sprich: Die Fähigkeit zu Schlussfolgerungen.
Das Beispiel der provisorischen Brücke: Ein Gehirn, das in der Lage ist, aus einem neben einer Schlucht stehenden Baum die Schlussfolgerung zu ziehen, dass wenn dieser Baum umgestoßen wird, er auf der anderen Seite der Schlucht verkeilt und mir damit als Brücke zur Verfügung steht, bietet einen Überlebensvorteil durch Kreativität.
Der Mechanismus der natürlichen Selektion würde die Systemeigenschaft, die wir Bewusstsein nennen, wahrscheinlich bevorteilen. Mir taugt diese Erklärung mehr, als die faktisch völlig unbelegte Vorstellung einer übernatürlichen Seele, die Pater Brüntrup hier in guter theologischer Tradition als Lückenfüller für das momentan unvollständige Wissen über die genaue Funktion des Gehirns legitimiert.