Der Deutsche Ethikrat ist nach eigener Definition ein unabhängiger Sachverständigenrat, in dem „unterschiedliche ethische Ansätze und ein plurales Meinungsspektrum vertreten“ sein sollen. Seine Aufgabe definiert er wie folgt.
Der Deutsche Ethikrat verfolgt die ethischen, gesellschaftlichen, naturwissenschaftlichen, medizinischen und rechtlichen Fragen sowie die voraussichtlichen Folgen für Individuum und Gesellschaft, die sich im Zusammenhang mit der Forschung und den Entwicklungen insbesondere auf dem Gebiet der Lebenswissenschaften und ihrer Anwendung auf den Menschen ergeben. Zu seinen Aufgaben gehören insbesondere:
Information der Öffentlichkeit und Förderung der Diskussion in der Gesellschaft unter Einbeziehung der verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen;
Erarbeitung von Stellungnahmen sowie von Empfehlungen für politisches und gesetzgeberisches Handeln;
Zusammenarbeit mit nationalen Ethikräten und vergleichbaren Einrichtungen anderer Staaten und internationaler Organisationen.
Der Ethikrat besteht aus 26 Mitgliedern, die je zur Hälfte von Bundesregierung und Bundestag bestimmt werden. Auf der Website des Ethikrates kann man sich ihre Lebensläufe ansehen; ich habe sie gerade aus Interesse überflogen und Hinweise auf Religion/Weltanschauung der Mitglieder gesucht.
Vier Mitglieder sind Theologen
Neun weitere Mitglieder haben in der Vergangenheit Ämter in christlichen Organisationen besetzt oder besetzen sie gegenwärtig
Bei den restlichen dreizehn Mitgliedern fanden sich keine Hinweise auf Religion oder Weltanschauung
Bedauerlich, das die Mitglieder keine kurze Beschreibung ihrer Weltanschauung angeben; denn die dürfte bei solchen Amtsträgern besonderes öffentliches Interesse haben. Festzuhalten bleibt, dass die Hälfte der Mitglieder des Deutschen Ethikrates offensichtlich mit christlichen Organisationen verbunden sind und man daher annehmen darf, dass sie persönlich christlichen Glaubens sind. Unter den restlichen Mitgliedern dürfte es ebenfalls Christen geben; nur kann man es ihren Lebensläufen nicht direkt entnehmen. Bei keinem der Mitglieder habe ich beim Überfliegen einen Hinweis auf Mitgliedschaft in einer säkularen Organisation gesehen. Ebenso fand ich keinen Hinweis auf Anhänger nicht-christlicher Religionen.
Seit dem Start der Buskampagne haben nicht wenige Kommentatoren kritisiert, dass säkulare Menschen in Deutschland keinen Grund zum Meckern hätten. Ganz so schnell kann man das offenbar nicht hinnehmen…
Es gibt Meldungen, die will man am liebsten schnell vergessen, wenn man eh schon einen schlechten Tag hatte. Diese hier gehört zweifellos dazu: In Brasilien hat die katholische Kirche ein Mädchen exkommuniziert und verurteilt, weil es Zwillinge abgetrieben hatte. Die Eltern und die beteiligten Ärzte wurden ebenfalls exkommuniziert. Abtreibung ist in Brasilien verboten, außer es besteht eine medizinische Notwendigkeit.
Das unfassbare: Das Mädchen war 9 Jahre alt. Ihre Zwillinge waren das Ergebnis einer Vergewaltigung durch den Stiefvater. Das Mädchen hätte in diesem Alter die Geburt von Zwillingen wahrscheinlich nicht überlebt. Die katholische Kirche hatte sich vehement gegen die Abtreibung ausgesprochen.
Der Rechtsanwalt der als besonders konservativ geltenden Erzdiözese von Olinda und Recife, Marcio Miranda, sagte: “Wir halten das für Mord. Das Gesetz Gottes lautet: Du sollst nicht töten.” Nach Worten von Sobrinho bedeutet die Exkommunizierung, dass die Betroffenen nicht mehr am Abendmahl teilnehmen und keine Sakramente empfangen dürften. In die Hölle kämen sie aber nicht automatisch, wenn sie “rechtzeitig bereuen und um Vergebung bitten”, sagte der Erzbischof.
Ein Wort: Intelligenzallergie.
Man mag jetzt wieder einwenden, dass es sich ja nur um erzkonservative Fundamentalisten handle. Aber muss man dieser Bande nicht zugestehen, dass sie sich auf Kerngebote ihres Gottes beruft? In Europa hätten wir für den Fall dieses Mädchens in der breiten Masse der Christen sicher eine willkürliche Schönwetter-Interpretation „subtilere Auslegung” göttlicher Moral; aber warum soll diese richtiger sein, als die hirnverbrannte, blinde Unmenschlichkeit der Diözese von Olinda und Recife? Wer entscheidet, wo die Grenze zwischen gerechtfertigter und ungerechtfertiger Abtreibung zu ziehen ist?
Etwa die zehn Gebote? Gottes Eingebung? Ach bitte…
Ich habe mir gerade The Atheist’s Way von Eric Maisel bestellt. Im Gegensatz zu den meisten Büchern über Atheismus wurde es nicht in erster Linie geschrieben, um Kritik an Religion zu üben, sondern um die Implikationen des Atheismus für das persönliche Leben zu schildern.
Das Buch will zeigen, dass typische Atheisten keine Misanthropen oder Moralanarchisten sind. Es ist natürlich keine „Bibel des Atheismus“, denn so etwas wäre absurd. Natürlich schweben Atheisten aber auch nicht im Vakuum der Sinnlosigkeit. Und viele teilen ähnliche säkulare ethische Prinzipien und Weltansichten. Bücher, die den Atheismus von dieser positiven und freundlichen Seite angehen, sind als Gegenpol zu den vielen Kampfschriften sehr sinnvoll. Nicht nur für halbgläubige Zweifler, sondern auch um Gläubigen ein freundlicheres und ethischeres Image von Ungläubigen zu vermitteln.
Ich bin gespannt. Erste Rezensionen in amerikanischen Blogs waren ganz positiv. Das erste Kapitel kann man übrigens auf Eric Maisels Website probelesen.
Living the atheist’s way is more than living without gods, religions, and supernatural enthusiasms—it is much more. It is a way of life that integrates the secular, humanist, scientific, freethinking, skeptical, rationalist, and existential traditions into a complete worldview and rallies that worldview around the banner of atheism, choosing that precise word as its rallying point. It chooses “atheism” as its rallying point to make clear that our best chance of survival is for members of our species to grow into a mature view of self-interest, one where human beings can discuss their conflicting interests without one side betraying the other by playing the god card. That will be a great day, when conflicts can be aired without the god card being played.
Ich frage mich, welches Interesse das christliche Medienmagazin pro an diesem Thema hat. Wirklich. Denn der Artikel ist eigentlich nur ein grandioser Schuss ins eigene Knie. Es geht darum, dass manche Forscher Religion vor evolutionistischem Hintergrund zu erklären versuchen, sie also als Fortpflanzungsvorteil zu verstehen versuchen.
Für den Philosophen Gerhard Schurz von der Universität Düsseldorf hat religiöser Glaube laut der Tageszeitung schlicht “einen massiven Placebo-Effekt”. So wie jemand erfolgreich eine nutzlose Pille gegen einen Schmerz schluckt, weil er nur fest genug an deren Wirkung glaubt, so helfe auch das Vorgaukeln eines Glaubens.
Was man von diesen Einzelaussagen auch halten mag, angenommen es stimmt, dass religiöse Menschen in westlichen Gesellschaften aufgrund ihrer Religiosität eher einen inneren Seelenfrieden und damit auch ein längeres Leben haben. Will man das als religiöser Mensch wirklich als Pro-Argument für Religion anführen? Wenn ich Christ statt Atheist wäre, würde es mich schon irgendwie stören, darauf einzugehen, dass mein Gott auf eine Placebo-Pille reduziert wird.
Ebenso skurril ist das Anführen solcher Zitate:
“Wenn man einige Kinder auf einer Insel aussetzen würde, wo sie alleine aufwüchsen, würden sie an Gott glauben. Im Gegensatz dazu ist Evolution unnatürlich für den menschlichen Verstand”, sagt Barrett laut einem Bericht der britischen Tageszeitung “Daily Telegraph”. Auch die amerikanische Psychologin Deborah Kelemen kommt zu dem Schluss: Kinder sind “intuitive Theisten”, geborene Gläubige.
Da wir aber wissen, dass die Evolution ein wissenschaftliches Faktum und ein theistischer Schöpfer des Lebens Unsinn ist, lässt dieses Zitat den angeblichen kindlichen Theismus als Kinderkram zurück. Ob der Autor von pro sich damit anfreunden kann, dass seine Religion nur Kinderkram ist?