Kreationismus

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Erdnussbutter und kleine Hunde

7. Juli 2009


Intoleranz

22. Februar 2009

Toleranz ist ein Wort, das leicht prostituiert werden kann. Es bedeutet erstmal nur, etwas zu „erdulden“. Das zeigt schon, dass bedingungslose Toleranz totaler Unsinn ist.

1. Die Toleranz gegenüber der Intoleranz führt zur Intoleranz.
2. Die Intoleranz gegenüber der Intoleranz führt zur Toleranz.

– Lars Gustafsson

Auch bedeutet Toleranz nicht, dass man jemandem zustimmen muss oder ihn gar unterstützen muss. Meinungsfreiheit bedeutet erstmal nur, dass jeder sagen kann, was er will. Es bedeutet nicht, dass dies unterstützt werden muss. Insbesondere bedeutet das nicht, dass die Gesellschaft jede Meinung als gleichwertiges Artefakt behandeln muss. Erst recht nicht bei der Erziehung. Teach the controversy?

Die Jünger des Bullshits – Kreationisten und religiöse Fundamentalisten – prostituieren die Begriffe der Toleranz und Meinungsfreiheit gerne für ihre Spiegelfechtereien. Erschreckende Beispiele sind z.B. der Film Expelled von dem Volksverdummer Ben Stein oder dieser besonders erschreckende Film über die Diskriminierung von Homosexualitäts-Kritikern (sic!).

Toleranz als Tugend impliziert, dass jeder das Recht hat, Argumente vorzubringen. Aber eben auch, dass jeder Sachverhalt der Kritik unterliegen muss. Für jeden Sachverhalt muss Kritik gleichermaßen erlaubt sein. Das bedeutet nicht die absolute Relativierung aller Wahrheit. Wahrheit als Konsens aufgefasst, der sich evolutionär entwickeln kann, erfordert die Intoleranz gegenüber Substanzlosigkeit als Selektionsmechanismus: Die Anstrengung, Bullshit von Nicht-Bullshit zu trennen, den breiten grauen Bereich dazwischen abzustecken und substanzlose Meinungen argumentativ zu eliminieren.


Kreationismus in Deutschland

20. Februar 2009

Die Studie der TU Dortmund, nach der jeder achte Lehramts-Student die Evolutionstheorie ablehnt, dürfte bekannt sein. Bei SpON kann man gerade ein Interview mit Professor Dittmar Graf, dem Fachsprecher für Biologie an der TU Dortmund, lesen, in dem er über diese Studie und Kreationismus in Deutschland redet. Interessant finde ich folgenden Absatz.

Zwar hängen religiöse Überzeugung und Evolutionsskepsis zusammen. Aber viel stärker wirkt sich ein naives Wissenschaftsbild aus. Knapp 15 Prozent der befragten Erstsemester haben keine Ahnung, wie Wissenschaft funktioniert. Da wird gesagt: “Wissenschaft ist doch auch nur dogmatisch.” Viele stellen sich vor, wir würden Steinchen für Steinchen ein großes Mosaik der Wahrheit zusammensetzen. Sie wissen schlicht nicht, dass jedes wissenschaftliche Wissen immer nur vorläufig ist und jede Aussage überprüfbar sein muss.

Wenn jemand nach 13 Schuljahren noch nicht einmal ahnt, wie Wissenschaft funktioniert, dann läuft dort etwas schief. Vielfach thematisiert die Schule Wissenschaftstheorie überhaupt nicht. Sie muss das Thema Evolution umfangreicher angehen – und vor allem früher, nicht erst in der 9. und 10. Klasse.

Generation Blöd. Dass Wissenschaftstheorie in der Schule viel zu kurz kommt, ist sehr richtig. Wenn ich mich an meine Schule erinnere, ging es in Mathematik, Physik, Chemie, Biologie, etc. eigentlich immer nur um das Auswendiglernen von Stoff. Kein Wunder, dass man da ein dogmatisches Wissenschaftsbild bekommt. Wenn dann noch die Religion ins Spiel kommt, scheinen viele Unsinn von Vernunft nicht mehr trennen zu können.

Der Trend zu kreationistischem Gedankengut ist ungebrochen. Nehmen Sie nur die Anzahl solcher Gruppen, Foren und Seiten im Internet. Nur an der Universität outen sich die Kreationisten selten. Wir haben diesen Trend erst durch die Befragungen herausgefunden. Aber auch in meinen Seminaren treffe ich auf Studenten, die aus religiösen Gründen die Evolution ablehnen. Neulich haben zwei Studentinnen mit muslimischem Hintergrund das offen ausgesprochen.

Den Studenten wurde von anderen Studenten mit scharfem Widerspruch begegnet. Aber gerade weil es scheinbar mehr Zweifler gibt, die die Zweifel eben nicht öffentlich aussprechen, sollte die Schule hier anders lehren: Denken lernen, statt Wissen lernen.

Eine Studie von Infratest von 2005/2006 zeichnete für ganz Deutschland übrigens ein noch schlechteres Bild.


Kreatidiotonistische Post

17. Februar 2009

Habe gerade eine Kettenmail eines Kreationisten bekommen, in der mit typisch-gleichen (mittlerweile langweiligen) Art argumentiert wird: Der gegenwärtige Stand der Wissenschaft könne nicht alles erklären, also wurde die Erde von einem Schöpfer erschaffen. Zwischen den Zeilen steht natürlich: Von Gott erschaffen. Ein paar Zitate, die Zweifel an konkreten Modellen der Ursuppe aussprechen, reichen dem Verfasser, um direkt die unbelegte und völlig absurde UnIntelligent-Design-These anzunehmen. Nebenbei verwechselt er auch noch die Evolution des Lebens mit der Entstehung des Lebens und entlarvt sich damit schon im ersten Satz.

Man muss sich mit dem Gedanken anfreunden, Leben ist im Universum nicht vorgesehen, denn das gesamte Universum ist in aggressiver Weise lebensfeindlich eingestellt. Chemisch-physikalische Gesetzmäßigkeiten lassen eine Selbstinszenierung von Lebensformen nicht zu, im Gegenteil, sie wirken wie Wächter gegen eine Selbstorganisierung von Leben. Das es auf der Erde, und nur auf der Erde, Leben gibt, verändert die Gesetzmäßigkeiten in keinster Weise, denn das Leben wurde der Erde implantiert, es wurde erschaffen, eine Tatsache, die die schöne materialistische Illusion von der Selbstentstehung von Leben ad absurdum führt.

Lieber unbekannter Verfasser, beschäftige dich doch mit Statistik (denn die Rechnung in deiner Mail war höchst absurd), und erst dann noch mal mit dem anthropischen Prinzip, und dann mit wissenschaftlicher Denkweise im Allgemeinen. Zumindest solltest du nicht nichtverstandenes Nichtwissen und aus dem Zusammenhang gerissene Zitate von anderen Kreationisten abzuschreiben und damit Leute erleuchten wollen, die sich darüber im besten Falle nur lustig machen. Es ist noch nichts falsches dadurch richtig geworden, dass jemand die Scheuklappen eng angelegt und sein Mantra immer wieder wiederholt hat.

Und weil du danach bestimmt immer noch Kreationist bist, stelle dir folgende Frage: Wenn die momentanen Hypothesen und Modelle der chemischen Evolution für dich unzureichend sind, folgt daraus nicht erstmal nur, dass die zutreffende Erklärung nur eine der unendlich vielen Alternativerklärungen sein muss, anstatt ganz konkret deine Schöpfungshypothese zu sein?

Denn dass aktuelle Modelle der chemischen Evolution unvollständig sind, weiß jeder:

Aber das galt zu einem bestimmten Zeitpunkt auch für die wissenschaftlichen Theorien, die danach verbessert, verfeinert und schließlich Fakt wurden.


Google.com respektiert kreatidiotonistische Gefühle

12. Februar 2009

Logo von Google.de zu Darwins heutigem Geburtstag:

Darwins Geburtstag auf Gogle

Logo von Google.com zum heutigen Tag:

Darwins Geburtstag auf Google.com

An der Uhrzeit kann es nicht liegen. Auch im Silicon Valley ist es gerade 7 Uhr. Google muss Angst vor Briefbomben Kreatidiotonisten haben.

[via Kommentar]