Religionskritik

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Die Gottespest

20. März 2009

Wem Dawkins’ Gotteswahn noch nicht deftig genug einschlug, dem sei Die Gottespest von John Most von 1883 ans Herz gelegt.

Diese Schrift ist ein Alarmruf, gerichtet an den Menschenverstand, sich nicht länger im Kellerdunkel einer gottverpesteten Begriffs-Verwirrung festhalten zu lassen.

Die “Gottespest” hat ihren Weg durch die ganze Welt gemacht; sie ist in vielen Tausenden Exemplaren gelesen worden, und in die meisten modernen Sprachen übersetzt. Der grimme drastische Most’sche Humor mag so manches dicke Brett vor dem Kopf gelockert haben. Aus der grossen Wirkung dieser Brosschüre erklärt sich ihre Beliebtheit. In dieser Beziehung übertrifft sie die Schriften von Ingersoll. Most trifft härter, seine Satyre ist ätzender und nicht so bürgerlich behäbig. Manchem Leser mag es bei der Lectüre der “Gottespest” gehen, wie Heinrich Heine von Erasmus von Rotterdam erzählt, als dieser Ulrich Hutten’s Angriffe gegen die Pfaffen las:

Der Erasmus musste lachen,
So gewaltig ob dem Spass,
Dass ihm platzte in dem Rachen
Sein Geschwür, und er genas.
M.B.

Nicht zuviel versprochen.

Und nun, armes Menschenhirn, halte Stand, denn was jetzt folgt, könnte ein Pferd umbringen! Wir wissen, dass Gott Vater beschlossen hatte, das Menschenpack zu frikassiren. Das that dem Gott Sohn ungemein leid. Er (bekanntlich gleichzeitig Gott Vater) nahm die ganze Schuld der Menschen auf sich und liess sich, um seinen Vater (bekanntlich gleichzeitig Gott Sohn) in seiner Raserei zu beschwichtigen, von jenem zu erlösenden Gesindel zu Tode schinden-natürlich nicht ohne nachträglich wieder frisch und froh in den Himmel zu fahren. Diese Aufopferung des Sohnes (der Eins ist mit dem Sohn) einen solchen Höllenspass, dass er sofort eine allgemeine Amnestie erliess, welche zum Theil noch heute in Kraft ist.

[via]


Sam Harris: Missverständnisse gegenüber dem Atheismus

4. März 2009

Sam Harris bringt viele ärgerliche Missverständnisse auf den Punkt.


Schuss ins Knie

18. Februar 2009

Ich frage mich, welches Interesse das christliche Medienmagazin pro an diesem Thema hat. Wirklich. Denn der Artikel ist eigentlich nur ein grandioser Schuss ins eigene Knie. Es geht darum, dass manche Forscher Religion vor evolutionistischem Hintergrund zu erklären versuchen, sie also als Fortpflanzungsvorteil zu verstehen versuchen.

Für den Philosophen Gerhard Schurz von der Universität Düsseldorf hat religiöser Glaube laut der Tageszeitung schlicht “einen massiven Placebo-Effekt”. So wie jemand erfolgreich eine nutzlose Pille gegen einen Schmerz schluckt, weil er nur fest genug an deren Wirkung glaubt, so helfe auch das Vorgaukeln eines Glaubens. 

Was man von diesen Einzelaussagen auch halten mag, angenommen es stimmt, dass religiöse Menschen in westlichen Gesellschaften aufgrund ihrer Religiosität eher einen inneren Seelenfrieden und damit auch ein längeres Leben haben. Will man das als religiöser Mensch wirklich als Pro-Argument für Religion anführen? Wenn ich Christ statt Atheist wäre, würde es mich schon irgendwie stören, darauf einzugehen, dass mein Gott auf eine Placebo-Pille reduziert wird.

Ebenso skurril ist das Anführen solcher Zitate:

“Wenn man einige Kinder auf einer Insel aussetzen würde, wo sie alleine aufwüchsen, würden sie an Gott glauben. Im Gegensatz dazu ist Evolution unnatürlich für den menschlichen Verstand”, sagt Barrett laut einem Bericht der britischen Tageszeitung “Daily Telegraph”. Auch die amerikanische Psychologin Deborah Kelemen kommt zu dem Schluss: Kinder sind “intuitive Theisten”, geborene Gläubige. 

Da wir aber wissen, dass die Evolution ein wissenschaftliches Faktum und ein theistischer Schöpfer des Lebens Unsinn ist, lässt dieses Zitat den angeblichen kindlichen Theismus als Kinderkram zurück. Ob der Autor von pro sich damit anfreunden kann, dass seine Religion nur Kinderkram ist?


Spektrum des Bullshits

13. Februar 2009

In letzter Zeit wurde hier und dort öfters gemeckert, dass der Begriff Bullshit zu polemisierend und eindimensional ist, als dass man damit alle religiösen Phänomene etikettieren könne. Stimmt. Deswegen liefere ich als Nachweis für alle zukünftigen Diskussionen mein persönliches Spektrum des Bullshits.

Spektrum des Bullshits

Damit ist für mich alles mit einem Bullshit-Faktor > 50% offiziell Bullshit.

(Polemischer-Atheist-Alarm angesprungen? Dann bitte die Erklärung in den Kommentaren lesen ;-)


Des Kaisers neue Kleider

11. Februar 2009

Bei Spreeblick hat jemand eine typisch theologische Rezension von Richard Dawkins’ „Der Gotteswahn“ in den Raum geworfen. Dabei ist das Buch doch schon so lange in den Regalen, Jungs, da hat wohl jemand Spaß daran, eine Diskussion anstoßen. Bei Nerdcore geht es in den letzten Tagen zu diesem Thema auch heiß her. Yes, gerne. Dann will ich eine Karikatur dazu beitragen.

REVIEW OF RICHARD DAWKINS’ NEW BOOK ‘THE EMPEROR’S DELUSION

I have considered the impudent accusations of Mr Dawkins with exasperation at his lack of serious scholarship. He has apparently not read the detailed discourses of Count Roderigo of Seville on the exquisite and exotic leathers of the Emperor’s boots, nor does he give a moment’s consideration to Bellini’s masterwork, On the Luminescence of the Emperor’s Feathered Hat. We have entire schools dedicated to writing learned treatises on the beauty of the Emperor’s raiment, and every major newspaper runs a section dedicated to imperial fashion; Dawkins cavalierly dismisses them all. He even laughs at the highly popular and most persuasive arguments of his fellow countryman, Lord D. T. Mawkscribbler, who famously pointed out that the Emperor would not wear common cotton, nor uncomfortable polyester, but must, I say must, wear undergarments of the finest silk.

Dawkins arrogantly ignores all these deep philosophical ponderings to crudely accuse the Emperor of nudity.

Personally, I suspect that perhaps the Emperor might not be fully clothed — how else to explain the apparent sloth of the staff at the palace laundry — but, well, everyone else does seem to go on about his clothes, and this Dawkins fellow is such a rude upstart who lacks the wit of my elegant circumlocutions, that, while unable to deal with the substance of his accusations, I should at least chide him for his very bad form.

Until Dawkins has trained in the shops of Paris and Milan, until he has learned to tell the difference between a ruffled flounce and a puffy pantaloon, we should all pretend he has not spoken out against the Emperor’s taste. His training in biology may give him the ability to recognize dangling genitalia when he sees it, but it has not taught him the proper appreciation of Imaginary Fabrics.

Wer Dawkins’ bescheidenes theologisches Wissen anspricht, interessiert sich vielleicht für ein Interview zwischen ihm und dem Theologen Alister McGrath, der auch eine doch ziemlich substanzlose Gegenschrift „Der Atheismuswahn“ verfasst hat. Man möge sich daraus seine Meinung bilden. Ich fand gerade die Stelle zum Theodizee-Problem recht entlarvend.

Mir stellt sich dort die Frage, warum Theologen nicht einfach auf Dawkins zugehen und seine kosmologischen Argumente aus ihrer fachlichen Sicht ernst nehmen und diskutieren. Sich auf den Zauberbegriff „Gott“ zu berufen, den man je nach Situation mit der Bedeutung prostituiert füllt, die gerade passt, wird kaum zu mehr Akzeptanz theologischer Argumente bei Atheisten führen.

Auf meinem Blog verlinke ich die OutCampaign. Nicht, weil ich die Religion abgeschafft sehen will, sondern weil man der Religion dort entgegentreten muss, wo sie politisch und erzieherisch wirkt. In einer pluralistischen Demokratie ist das keine Militanz, sondern ein Gebot. Wir sollten uns nicht von „moderaten Religionen“ dazu verleiten lassen, die Kritik zu unterlassen. Denn auch in unserem „moderaten“ Europa gibt es genug zu kritisieren und zu befürchten.