Technik
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Nie vergessen: Science-Fiction ist immer noch eben Fiktion. Und gerade in unserer Zeit, in der Technologie und Wissenschaft immer komplexer werden, ist Science-Fiktion oft oberflächlich, übertrieben und schlicht und ergreifend falsch. Eben hauptsächlich Unterhaltung. Umso vorsichtiger sollte man sein, wenn Schriftsteller ohne technisches und naturwissenschaftliches Fachwissen über die Zukunft fantasieren.
Das war der Sicherheitshinweis, jetzt der eigentliche Text: Susan Blackmore – Psychologin, Parapsychologin(!) und Schriftstellerin – malt sich bei SpON eine düstere Zukunft aus, in der Maschinen zu Replikatoren geworden sind. Also zu Objekten, die sich selbstständig erhalten und vervielfältigen können. Auf solche Maschinen würde der Mechanismus der Evolution greifen können, so wie beim biologischen Leben. Natürlich führe das für uns jämmerliche Menschen direkt ins Armageddon des Aussterbens durch Verdrängung. (Immerhin gibt es den T800 und John Connor nur in Hollywood…)
Nanotechnologie und selbst-reparierende Serversoftware ist natürlich ein deutliches erstes Zeichen dieser dramatischen Entwicklung…

Life? Don't talk to me about life!
Das ist natürlich Unsinn. Dieses naive Technikbild ist soziologisch bekannt und entsteht aus der Projektion vertrauter Eigenschaften auf eine Technik, die oberflächlich wie etwas Bekanntes erscheint. Nanotechnologie erinnert z.B. an Viren. Sich reparierende Software an einen heilenden Organismus, und so weiter. Das funktioniert prima, solange man Technik als Blackbox begreift. Intern funktionieren die Sachen natürlich völlig anders.
Künstliche Intelligenz z.B. ist nur eine Methapher für eine Familie algorithmischer Problemlösungen. Von einer echten künstlichen Intelligenz, die im Sinne menschlicher Intelligenz zu verstehen ist, sind wir absurd weit entfernt. Wie sollten wir auch anders, wenn wir noch nichtmal unsere eigene Intelligenz völlig verstehen. (Manche sagen, da gäbe es nichts zu verstehen.) Ebenso sind wir absurd weit davon entfernt, biologische Organismen mechanisch nachzuahmen. Blackmore überstrapaziert hier das Evolutionsmodell.
Wenn man kein Spielverderber sein will, kann man die künstliche Intelligenz beiseite lassen und sich technische Replikatoren vorstellen, die sich ohne Intelligenz, sondern nur durch zufällige Variationen und einen Selektionsmechanismus entwickeln. Beim Leben hat diese Evolution über einen gigantischen Zeitraum gewirkt. Bei technischen Replikatoren wäre das kaum anders. Für Blackmore sieht die Sache natürlich viel dramatischer aus.
Wir wären dann entbehrlich. Damit würde sich wirklich alles verändern.
Aber Science-Fiction-Autoren hatten ja schon immer Freude an Weltuntergangs-Fantasien.
Die meisten von euch dürften beim Lesen dieser Frage als erstes Bilder aus der Science-Fiction, von sprechenden Computern und menschenähnlichen Robotern im Kopf haben. Zu den bekanntesten Geschichten, die diese Frage im Kern haben, gehören die Roboter-Erzählungen von Isaac Asimov, aus denen auch seine bekannten Drei Gesetzte der Robotik stammen und auf deren Grundlage beispielsweise der Film I, Robot basiert.

Der Androide Data
Ein anderes Beispiel ist der Androide Data aus Star Trek: The Next Generation und die vielen Episoden, die sich mit der Frage nach seiner Menschlichkeit beschäftigten. Für die Zuschauer dürfte in Datas Fall die Antwort meist eindeutig gewesen sein – sein Charakter war einer der beliebtesten der Franchise und auch mein Favorit. Er galt schon von Anfang an kaum als Maschine, sondern mehr als Mensch in Ausbildung.
„Können Maschinen denken?“ Diese Fiktionen behandeln diese Frage auf metaphysischer Ebene. Zu einer konkreten Antwort gelangt man so kaum. Man kann ja schon die Vorbedingungen nicht klären: „Was ist Denken?“ und „Denken wir Menschen oder ist das nur eine Illusion?“ Man kann sicher ewig darüber diskutieren, ohne zu einer handfesten Erkenntnis zu kommen.
Für die Soziologie ist die Frage trotzdem von Relevanz. Schon früh wurde erkannt, dass Technik das Soziale substituieren kann, also in die Rolle anderer Menschen und Normen schlüpfen kann und damit Teil des sozial Relevanten ist. Beispiel: Welchen Unterschied gibt es zwischen einer Ampel und einem Verkehrspolizisten? Beide interagieren mit anderen Menschen und erreichen das gleiche Resultat. Beide repräsentieren die gleichen Normen.
Die Frage ist nur: Handelt die Ampel? Beim Polizisten würde man sicher „Ja“ sagen, obwohl er nicht viel anderes macht, als die Ampel. Auch er folgt Regeln. Man könnte ihm im Gegensatz zur Ampel die Freiheit des freien Willens zusprechen, aber das ist bei näherer Betrachtung auch nur eine Illusion. Er muss seine Regeln befolgen. Tut er das nicht, wäre das auch nichts anderes, als eine Fehlfunktion der Ampel – welche man nicht als Freiheit bezeichnen würde. Unterschiede zu ziehen ist also schwer.
Wenn man sich nicht sicher sein kann, ob die Ampel handelt, führt einen das direkt zur Frage „Wenn Maschinen vielleicht auch ‚handeln‘, können wir ausschließen, dass sie auch denken können?“ Die Ampel ist hierfür sicher ein simples Beispiel. Aber bei moderner Software wird es z.B schwieriger. Finanzgeschäfte werden heutzutage teilweise „autonom“ von Programmen getätigt. Ihnen sind durch die Algorithmen zwar Rahmen aufgelegt. Aber sie haben die Autonomie, auf verschiedenen Wegen ein vorgegebenes Ziel zu erreichen. Sie erfassen die Situation, wägen Parameter ab und entscheiden.
Hier Denken zu reden, ist sicher zu metaphysisch und überzogen. Aber immerhin rütteln diese Vorstellungen an der Vorstellung und an der Begrifflichkeit von der „funktionierenden Maschine“ auf der einen und dem „handelnden Menschen“ auf der anderen Seite. Eine pragmatische Sichtweise hat Alan Touring eingenommen, um diese Frage für konkrete Maschinen zu beantworten. Er schlägt folgenden später nach ihm benannten Touring-Test vor:
It is not difficult to devise a paper machine which will play a not very bad game of chess. Now get three men as subjects for the experiment. A, B and C. A and C are to be rather poor chess players, B is the operator who works the paper machine. Two rooms are used with some arrangement for communicating moves, and a game is played between C and either A or the paper machine. C may find it quite difficult to tell which he is playing.
We now ask the question, „What will happen when a machine takes the part of A in this game?“ Will the interrogator decide wrongly as often when the game is played like this as he does when the game is played between a man and a woman? These questions replace our original, „Can machines think?“
Wenn wir Maschinen also so wahrnehmen, als würden sie denken, ist es egal, ob sie wirklich denken oder nicht. Die Auswirkungen für uns sind die gleichen. Eine elegante Definition. Soziologisch kann man diese Interaktionsweisen zwischen Mensch und Maschine als qualitativ ähnlich zu rein menschlicher Interaktion auffassen und von sozio-technischen Interaktionsgeflechten sprechen, in denen Technik in Bezug auf ihre Interaktionspartner denkend und handelnd gleichwertig ist.
Wir können also ruhigen Gewissens denken, dass uns unser Computer absichtlich ärgert. Und ihn entsprechend beschimpfen. Armer PC-Guy.

Hi, I'm a PC
Michael Himsolt hat so recht:
Damals: man durchforscht mit einem Ast in den Händen durch die Wohnung, merkt sich wo die Wasseradern liegen, und stellt dann das Bett entsprechend um.
Heute: man durchforscht mit einem Laptop in den Händen die Wohnung, merkt sich wo der WLAN Empfang am besten ist, und stellt dann den Computer entsprechend auf.
Seit 5 Jahren nutze ich WLAN und es hat noch nie wirklich zuverlässig funktioniert.