Zitat
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Toleranz ist ein Wort, das leicht prostituiert werden kann. Es bedeutet erstmal nur, etwas zu „erdulden“. Das zeigt schon, dass bedingungslose Toleranz totaler Unsinn ist.
1. Die Toleranz gegenüber der Intoleranz führt zur Intoleranz.
2. Die Intoleranz gegenüber der Intoleranz führt zur Toleranz.
– Lars Gustafsson
Auch bedeutet Toleranz nicht, dass man jemandem zustimmen muss oder ihn gar unterstützen muss. Meinungsfreiheit bedeutet erstmal nur, dass jeder sagen kann, was er will. Es bedeutet nicht, dass dies unterstützt werden muss. Insbesondere bedeutet das nicht, dass die Gesellschaft jede Meinung als gleichwertiges Artefakt behandeln muss. Erst recht nicht bei der Erziehung. Teach the controversy?
Die Jünger des Bullshits – Kreationisten und religiöse Fundamentalisten – prostituieren die Begriffe der Toleranz und Meinungsfreiheit gerne für ihre Spiegelfechtereien. Erschreckende Beispiele sind z.B. der Film Expelled von dem Volksverdummer Ben Stein oder dieser besonders erschreckende Film über die Diskriminierung von Homosexualitäts-Kritikern (sic!).
Toleranz als Tugend impliziert, dass jeder das Recht hat, Argumente vorzubringen. Aber eben auch, dass jeder Sachverhalt der Kritik unterliegen muss. Für jeden Sachverhalt muss Kritik gleichermaßen erlaubt sein. Das bedeutet nicht die absolute Relativierung aller Wahrheit. Wahrheit als Konsens aufgefasst, der sich evolutionär entwickeln kann, erfordert die Intoleranz gegenüber Substanzlosigkeit als Selektionsmechanismus: Die Anstrengung, Bullshit von Nicht-Bullshit zu trennen, den breiten grauen Bereich dazwischen abzustecken und substanzlose Meinungen argumentativ zu eliminieren.
Ein Philosoph sagte einmal zu einem Fisch: „Der Sinn des Lebens ist zu denken und weise zu werden.“ Der Fisch antwortete: „Der Sinn des Lebens ist zu schwimmen und Mücken zu fangen.“ Der Philosoph murmelte: „Armer Fisch!“ Der Fisch wisperte: „Armer Philosoph!“
In Diskussionen um das Verhältnis von Naturwissenschaft und Religion, kommt zwingend irgendwann die Eintein-Karte. Am häufigsten wird wohl folgendes zitiert:
Gott würfelt nicht.
Die Naturwissenschaft ohne Religion ist lahm, die Religion ohne Naturwissenschaft aber ist blind.
Einstein meinte damit aber kaum das Christentum, das Judentum oder irgendeine andere der verbreiteten Religionen. Er war Pantheist. Das ist eine Art aufgebohrter Naturalismus. Pantheisten verneinen Übernatürliches, sehen aber in der Natur selbst etwas spirituelles, was sie als göttlich bezeichnen, ohne es für eine persönliche Intelligenz zu halten oder für etwas, was man anbeten könne.
Einstein sagte somit auch solche Sachen:
Religion sollte nichts mit Angst vor dem Leben oder Angst vor dem Tode zu tun haben, sondern sollte vielmehr ein Streben nach rationaler Erkenntnis sein.
Das Wort Gottes ist für mich nicht mehr, als der Ausdruck und das Produkt menschlicher Schwächen. Die Bibel ist eine Sammlung ehrbarer, aber dennoch primitiver Legenden, welche doch ganz schön kindisch sind. Keine Interpretation, wie feinsinnig sie auch sein mag, kann das (für mich) ändern.
Für mich ist die jüdische Religion wie jede andere der Inbegriff des kindischsten Aberglaubens. Und das jüdische Volk, dem ich gerne angehöre und dessen Mentalität ich mit einer großen Verbundenheit gegenüberstehe, hat für mich keine andere Qualität als alle anderen Völker. So weit meine Erfahrung reicht, sind sie nicht besser als andere Gruppen von Menschen, obwohl sie von den schlimmsten Krankheiten durch einen Mangel an Macht beschützt werden. Davon abgesehen kann ich nichts ‚Außerwähltes‘ an ihnen erkennen.
Es war natürlich eine Lüge, was Sie über meine religiösen Überzeugungen gelesen haben, eine Lüge, die systematisch wiederholt wird. Ich glaube nicht an einen persönlichen Gott und ich habe dies niemals geleugnet, sondern habe es deutlich ausgesprochen. Falls es in mir etwas gibt, das man religiös nennen könnte, so ist es eine unbegrenzete Bewunderung der Struktur der Welt, so weit sie unsere Wissenschaft enthüllen kann.
Dein Ressentiment gegen den persönlichen Gott, von dessen Nicht-Existenz du ja wie auch ich überzeugt bist, hat mich inigermassen erstaunt. Diese Haltung trifft man meistens bei Personen, die sich nicht ohne Kampf von diesem Prunkstück altväterlicher Erziehung in jungen Jahren freigemacht haben.
Diese Diskussion hier in den Kommentaren (insbesondere das Geschwafel von Herrn Heidt) kann ich beim besten Willen nur mit folgendem Zitat abschließen.
Je größer der Dachschaden, desto schöner der Aufblick zum Himmel.
– Karlheinz Deschner